Das Bild zeigt einen Klassenraum

Nachteilsausgleich in der Schule – Was ist das?

In bestimmten Fällen kann ein Nachteilsausgleich in der Schule beantragt werden. Bei einer festgestellten (ärztlich attestierten) chronischen Erkrankung, einer Behinderung oder (in Einzelfällen) wenn eine zeitweilige Beeinträchtigung eines Gesundheitszustandes vorliegt, kann ein solcher Antrag gestellt werden. Ich habe die Psychologin Christiane Fügemann zum Thema „Nachteilsausgleich in der Schule – Was ist das?“ interviewt. 

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1. Was ist ein Nachteilsausgleich an einer Schule?

Ein Nachteilsausgleich ist eine besondere Regelung, die Schülerinnen und Schülern mit Behinderungen oder chronischen Krankheiten zugute kommt. Diese Kinder bekommen durch den Nachteilsausgleich besondere Unterstützungen, die die behinderungsbedingten Nachteile oder Mehraufwendungen ausgleichen sollen. Diese sind gezielten Hilfestellungen oder Unterstützungsmaßnahmen sind z.B. Zeitzugaben, technische Hilfsmittel, veränderte äußere Struktur von Aufgaben oder Aufgabendarbietungen.

2. Welche Vorteile hat ein Nachteilsausgleich für Kinder mit Behinderungen oder chronischen Krankheiten?

Durch den Nachteilsausgleich werden die Kinder in ihrer Teilhabe am Schulleben und im Lernprozess unterstützt. Zunächst einmal hat Schule den Auftrag, Kinder entsprechend ihrer persönlichen Voraussetzungen. Stellt sich jedoch heraus, dass trotz dieser Förderung Leistungen nicht entsprechend der Begabung erbracht werden können, wird ein Nachteilsausgleich gewährt. Ein Nachteilsausgleich ist eine pädagogische Entscheidung und wird von der Klassenkonferenz/ der Schulleitung genehmigt. Im Anschluss wird der Beschluss in der Schulakte notiert, damit transparent ist, dass alle Lehrkräfte diesen berücksichtigen müssen. Das Kind ist somit nicht auf die „Meinung“ oder ein „Goodwill“ einer Lehrperson angewiesen. 

3. Wann kann ein Nachteilsausgleich beantragt werden?

Einen Nachteilsausgleich können Familien jederzeit beantragen, wenn sie bemerken, dass ihr Kind behinderungsbedingte Schwierigkeiten hat, sich in der Schule zu behaupten. Es gibt keine vorgeschriebene Frist, innerhalb der man einen Antrag stellen muss. Allerdings sollten sich Familien so früh wie möglich um einen Nachteilsausgleich kümmern, damit ihr Kind möglichst schnell Unterstützung erfährt.

4. Interview mit Psychologin Christiane Fügemann zum Thema Nachteilsausgleich

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5. Wo kann man einen Nachteilsausgleich beantragen?

Den Nachteilsausgleich können Familien bei der Schule beantragen, an der ihr Kind angemeldet ist. Meist wird der Antrag von der Schulleitung oder einer sozialpädagogischen Fachkraft bearbeitet. Ein Nachteilsausgleich kann bundeslandabhängig auch unabhängig von einem Antrag durch die Eltern gewährt werden. Es empfiehlt sich, ein formloses Schreiben aufzusetzen. Beispiel: Ich beantrage, dass für mein Kind XY ein Nachteilsausgleich gewährt werden soll. Anbei die Atteste/Gutachten der Facharzt:innen. 

6. Ist die Aussetzung der Benotung (Notenschutz) auch ein Nachteilsausgleich?

Genau genommen zählen die Modifizierung der Bewertung, Aussetzung der Benotung von Teilleistungen im Fachunterricht oder auch die Kompensation bestimmter Bewertungsformen in einem Fach nicht zum Nachteilsausgleich, sondern zur den sogenannten „Abweichung von den allgemeinen Grundsätzen der Leistungsbewertung“. Dies muss separat beantragt werden, kann aber gemeinsam mit dem Antrag auf Nachteilsausgleich in der Schule vorgetragen werden.

7. Welche Formen eines Nachteilsausgleiches gibt es?

Es werden zeitliche, technische, räumliche und personelle Formen eines Nachteilsausgleiches beschrieben. Eine kleine Sonderform bildet die Modifikation von Aufgaben (Ausnahme).

8. Welche zeitlichen Maßnahmen gibt es z.B. beim Nachteilsausgleich?

Hier geht es v.a. um Zeitzugabe, d.h. das Kind bekommt mehr Zeit zur Verfügung gestellt (Arbeitszeit, Pausenzeit oder auch Verlängerung von Vorbereitungszeiten).

9. Welche technischen Maßnahmen gibt es z.B. beim Nachteilsausgleich?

Technische Hilfsmittel könnten Lesegeräte sein, Diktiergeräte, das Abfotografieren des Tafelbildes, das Nutzen eines Laptops oder Tablets als Schreibhilfe, die Vergrößerung von Materialien, Greifhilfen bei der Nutzung von Lineal, Stift oder Zirkel.

10. Welche räumlichen Maßnahmen gibt es z.B. beim Nachteilsausgleich?

Hierzu zählt z.B. eine besondere (ablenkungsfreie) Arbeitsplatzorganisation, Maßnahmen zur Verhinderung eines Blendeffektes, besonderer Sitzplatz (z.B. frontal zur Tafel), Raumteiler, Schalldämmung im Raum (Korkwände, Teppich,…)

11. Welche personellen Maßnahmen gibt es z.B. beim Nachteilsausgleich?

Personelle Unterstützung kann z.B. durch eine Schulassistenz (Schulbegleiter:in), Gebärdendolmetscher:in oder Patenschaften gewährleistet werden.

12. Wird der Nachteilsausgleich auf dem Zeugnis vermerkt?

Nein, ein Nachteilsausgleich wird nicht auf dem Zeugnis vermerkt. Was vermerkt wird ist, wenn von den Grundsätzen der Leistungsbewertung abgewichen wird. Dies erscheint dann im Zeugnis unter „Bemerkungen“.

13. Was gibt es sonst noch zu beachten?

Wenn in zentralen Abschlussprüfungen ein Nachteilsausgleich gewährt werden soll, muss dieser in der Regel bereits in den Vorjahren in der Schulakte dokumentiert sein.

Bild zeigt ein Mädchen beim Malen

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